IST ES NUN EIN VERSAGEN UND DOCH DIE RICHTIGE ENTSCHEIDUNG?

August 31, 2026

Die Regenfälle der Nacht haben ihre Spuren hinterlassen. Ein kleines Bächlein schlängelt sich durch den feuchten Graben. Von den Hängen hinab sammelt sich weiteres Wasser unter dem tiefen weichen Waldboden, alles aufweichend. Die umgefallenen Bäume und deren Geäst - überzogen mit glitschiger Haut - liegen über dem Weg, bedeckt mit Steinen, nass und triefend. Alles rutschig und nass. Der ganze Graben atmet tiefe feuchte Luft.

Und ich samt Mountainbike mittendrin. Warum? Laut Karte am Navi ist hier ein Weg. Eher: War mal ein Weg. Stellenweise zeugen Trampelpfad-Abschnitte unter den Sturmschäden und zwischen dem verwucherten Gestrüpp von lange vergengenen Zeiten. Eine kleine Behelfsbrücke: War mal. Ist zermodert, brüchig, eingestürzt. Eigentlich ein wunderschöner Weg, eine ganz besonder ruhige Stimmung von Abschied und dem Lauf des Lebens, denn die Natur verleibt sich den Weg gerade wieder ein.

Es hat 15 Grad, die Sonne ist gerade aufgegangen und drängt sich durch die Wolken. Hier im Graben ist es trotzdem düster. Ich kurble weiter, rutsche herum; will unbedingt entdecken, wo der (Nicht)-Weg hinführt(e). Steige ab, klettere mit Rad über Baumstämme, Äste. Schiebe voran. Aus. Alles verblockt. Und die nächste Weggabelung? Das dauert noch.

Den Hang raufblickend sehe ich eine Lichtung. Vielleicht eine Forststraße? Ich klettere hinauf, rutsche runter, kraxle weiter. Oben: nein, nur Dornengestrüpp. Also wieder runter, mehr rutschend und fallend als kletternd. Spüre Ärger, will nicht aufgeben, will mich weiter durchkämpfen. Und: Heute nicht. Ich habe mir schon das Schienbein aufgeschlagen, den Daumen verstaucht. Das reicht. Ich drehe um!

Ich spüre die Enttäuschung, höre die inneren Stimmen: "Du gibst auf? Schwach!", "Was versäumst du? Was hättest du erlebt am Ende des Weges?", "Bist halt alt, früher hättest du weitergekämpft" und ich ringe innerlich: Entscheiden bedeutet Verzichten. Und: Dieses mal war es einfach besser umzudrehen. Aber es fällt mir schwer mir dies zu erlauben.

Und so ist es auch im Business. Du arbeitest einem Ziel entgegen, übersieht Anzeichen, kämpfst weiter, gegen alle Widerstände, Tunnelblick - nur das Ziel vor Augen. "Das müssen wir erreichen! Kommt weiter!" ... Wirklich?

Vielleicht sollten wir manchmal den Blick heben, Distanz und Überblick gewinnen, und uns fragen:

Ja es ist bitter abzulassen von einem Ziel, in das man viel investiert hat. Ich kenne das selbst sehr gut und höre es immer wieder in den Führungskräfte-Coachings. Es bedeutet Scheitern, Verlust und ist eine Art "Trauerprozess", ein "sich erlauben", einmal keine Lösung gefunden, einmal das Ziel nicht erreicht zu haben.

Wenn ihr also mal gerade am "verzweifelt" weiterkämpfen seid, könnt ihr euch fragen: Ist es das noch wert? Oder ist mir eigentlich innerlich klar, dass ich umdrehen sollte, ich versuche nur gerade dem Gefühl des "Versagens" aus dem Weg zu gehen.

Ihr dürft euch erlauben, aus voller Stärke 💪 heraus, die Richtung bewusst zu ändern. ... ohne Reue. Und werdet dann oft mit neuen Möglichkeiten belohnt.

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